"Eine Analyse der ersten Lauftritte der Maus" von Gert K. Müntefering

 

Ein kluger Mann fragte einmal, und er gab dann selbst die Antwort: "Was ist schlimmer als ein Mißerfolg, sagen wir mal im Fernsehen? Ein Erfolg ist schlimmer." Warum ist das so? Es muss an den Menschen liegen.

Beim Mißerfolg geht man verdrossen auseinander. Irgendwie waren alle schuld, man selbst natürlich am wenigsten. Ja - und beim Erfolg, da haben sicher alle beigetragen. Man selbst natürlich am meisten!

"Die Sendung mit der Maus" gibt eine Folie für diese nun seit Jahren anhaltende Debatte dazu ab. Dabei geht es skurriler Weise nicht darum, wer die Idee für diese Sendung hatte, wer den Titel erfand oder warum, das könnte ja mal gefragt werden, ein mit keinem pädagogischem Begleitgremium unterlegtes redaktionelles Eigengewächs robuster und attraktiver war als mit grosser Expertise ausgerüstete Welterklärungen für Kleinkinder. Aber lassen wir das.

Die Maus höchstpersönlich war und ist, auch nach geklärter juristischer Position, immer noch Gegenstand höchst fragwürdiger Alleinansprüche. Genauer: die orangefarbene Fernsehmaus, gelegentlich mit Vorderansicht.

Deshalb ist der nachstehende Werkstattbericht auch einige Jahrzehnte nach den Ereignissen selbst notwendig...

© Gert K. Müntefering / Dezember 2014

 

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"Gute Ideen liegen nicht auf der Strasse" von Friedrich Streich

Bald nach der ersten Ausstrahlung stand fest, dass die Sendereihe 1972 fortgesetzt werden soll. Das hiess für uns, sofort mit der Produktion neuer Mäuse-Spots zu beginnen. Bevor aber der erste Bleistiftstrich ge­zeichnet werden konnte, musste - wie bei jeder schöp­ferischen Arbeit - erst eine Idee vorliegen.

Im Sommer 1971 setzten wir uns zusammen und suchten Ideen, entwickelten neue Geschichten für die Maus. Die Konzeption für Maus-Geschichten, die wir damals erar­beitet hatten, erwies sich als sehr brauchbar. Wir blieben bei der kurzen, einfachen Form. Die Spots soll­ten auch weiterhin nicht länger als 30, höchstens 35 Sekunden werden. Und wir suchten Ideen, in denen die Maus wieder Probleme lösen musste auf ihre witzige, ungewöhnliche Art.


 

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Die Geschichte vom eiligen Mann

Auch als es noch keine Nummern-Anzeige im Telefon gibt, klingelt das Telefon häufig in München.  Friedrich Streich weiß,  dass er den WDR anrufen sollte, aber er schafft das nicht, er ist von morgens bis abends im Trickfilmstudio. Außerdem will der WDR wahrscheinlich nur wissen, wie weit er mit „Der Geschichte vom eiligen Mann“ ist. Friedrich Streich hat es nicht eilig und außerdem will er diesen Film nicht allein machen, sondern mit Heinz Edelmann, der die wunderbaren Grafiken für die Plakate für den WDR zeichnet. Auf diesen Plakaten steht das Fernsehprogramm der nächsten Monate und Edelmann hat - nicht nur damit - viel zu tun. Die Plakate müssen immer schon Wochen vorher fertig sein, damit sie rechtzeitig verschickt und ausgehängt werden können.

Aus Köln hat Friedrich Streich einen Text bekommen, eine mit Schreibmaschine abgetippte Geschichte aus dem Buch „28 Lachgeschichten“ von Ursula Wölfel. Er soll einen Film daraus machen. Er sieht den eiligen Mann schon vor Autos herlaufen, über Betten klettern und gegen eine Mauer laufen. Er hört auch schon die Musik, die er dafür verwenden will, spürt Rhythmus und kennt genau die Farben…  

Endlich ruft er in Köln zurück und erfährt mit Erstaunen, dass es gar nicht um "Die Geschichte vom eiligen Mann“ geht. Es geht um "Die Geschichte von der Maus im Laden“ aus dem Buch mit den "28 Lachgeschichten" von Ursula Wölfel. Eigentlich geht es auch gar nicht um diese Geschichte. Es geht um Trickfilme mit einer Maus, die ganz anders sein soll als alle anderen Mäuse.

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