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Die Geschichte vom eiligen Mann

Auch als es noch keine Nummern-Anzeige im Telefon gibt, klingelt das Telefon häufig in München.  Friedrich Streich weiß,  dass er den WDR anrufen sollte, aber er schafft das nicht, er ist von morgens bis abends im Trickfilmstudio. Außerdem will der WDR wahrscheinlich nur wissen, wie weit er mit „Der Geschichte vom eiligen Mann“ ist. Friedrich Streich hat es nicht eilig und außerdem will er diesen Film nicht allein machen, sondern mit Heinz Edelmann, der die wunderbaren Grafiken für die Plakate für den WDR zeichnet. Auf diesen Plakaten steht das Fernsehprogramm der nächsten Monate und Edelmann hat - nicht nur damit - viel zu tun. Die Plakate müssen immer schon Wochen vorher fertig sein, damit sie rechtzeitig verschickt und ausgehängt werden können.

Aus Köln hat Friedrich Streich einen Text bekommen, eine mit Schreibmaschine abgetippte Geschichte aus dem Buch „28 Lachgeschichten“ von Ursula Wölfel. Er soll einen Film daraus machen. Er sieht den eiligen Mann schon vor Autos herlaufen, über Betten klettern und gegen eine Mauer laufen. Er hört auch schon die Musik, die er dafür verwenden will, spürt Rhythmus und kennt genau die Farben…  

Endlich ruft er in Köln zurück und erfährt mit Erstaunen, dass es gar nicht um "Die Geschichte vom eiligen Mann“ geht. Es geht um "Die Geschichte von der Maus im Laden“ aus dem Buch mit den "28 Lachgeschichten" von Ursula Wölfel. Eigentlich geht es auch gar nicht um diese Geschichte. Es geht um Trickfilme mit einer Maus, die ganz anders sein soll als alle anderen Mäuse.

Siegfried Mohrhof, der Leiter des Nachmittagsprogramms beim WDR, sagt:  „Das kann nur der Streich in München“.  Von da an hat Friedrich Streich keine Ruhe mehr. Er macht von nun an Mäuse-Spots für die Lach- und Sachgeschichten.

Viele Jahre später, als das Telefon sogar die verpaßten Anrufe anzeigt und zählt, klingelt es auch noch oft genug in München. Nicht selten kommt die Frage: "Wann war denn die Maus zum ersten Mal im Fernsehen? "Wann ist denn der Geburtstag der Maus?

Damit das Rätseln um die Erstsendedaten der Maus ein für allemal ein Ende hat, geht Friedrich Streich 30 Jahre später in sein Archiv und schaut in die Ordner der 1970er Jahre. Darin findet er - ohne lange zu suchen – ordentlich abgeheftet, ein Plakat von Heinz Edelmann auf dem die ersten sechs Sendungen „Lach-und Sachgeschichten -  Fernsehen für Anfänger“ angekündigt werden.

Er legt das Plakat auf seinen Kopierer und schickt die Kopie zusammen mit ersten Kritiken und Pressemeldungen von 1971 per Fax nach Köln.

Der „Eilige Mann…“ wird nie fertig.

Chronologie der Maus

© Heidrun Wilkening / 13.02.2015

 

 

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