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"Gute Ideen liegen nicht auf der Strasse" von Friedrich Streich

Bald nach der ersten Ausstrahlung stand fest, dass die Sendereihe 1972 fortgesetzt werden soll. Das hiess für uns, sofort mit der Produktion neuer Mäuse-Spots zu beginnen. Bevor aber der erste Bleistiftstrich ge­zeichnet werden konnte, musste - wie bei jeder schöp­ferischen Arbeit - erst eine Idee vorliegen.

Im Sommer 1971 setzten wir uns zusammen und suchten Ideen, entwickelten neue Geschichten für die Maus. Die Konzeption für Maus-Geschichten, die wir damals erar­beitet hatten, erwies sich als sehr brauchbar. Wir blieben bei der kurzen, einfachen Form. Die Spots soll­ten auch weiterhin nicht länger als 30, höchstens 35 Sekunden werden. Und wir suchten Ideen, in denen die Maus wieder Probleme lösen musste auf ihre witzige, ungewöhnliche Art.


 

Inzwischen kannten wir die Maus schon besser, hatten wir doch das Vergnügen, ihre Bewegungen und Aktionen im bewegten Bild zu erleben. Insofern sollten wir es leichter haben bei der Auswahl von Ideen. Aber gute Ideen liegen nicht auf der Strasse. Und gute Ideen er­kennt man nicht immer sofort. Eine Idee zu beurteilen oder einen fertigen Film sind zwei verschiedene Dinge. Man sieht erst auf der Leinwand, ob eine Geschichte gut oder schlecht geworden ist. Denn es kann vorkommen, dass eine Idee gut erscheint - und der Film danach ist nicht gelungen. Oder wir haben Ideen angenommen, von  denen wir dachten "Na ja" - und daraus entstand dann ein exzellenter Film. Selbst wenn eine Idee sofort "zündete", konnte daraus ein Flop werden. Es gibt viele Möglichkeiten, eine Idee in den Sand zu setzen.

An vielen Ideen haben wir gearbeitet und gefeilt.

Manchmal gab es Ideen, bei denen nur der originelle Einfall, die Situation, in der sich die Maus befand überzeugte. Im Gespräch, oder nicht selten am Zeichen­tisch unter dem Zeichnen entstand dann daraus eine Handlung. Aber irgendetwas an der Idee musste über­zeugen und die Geschichte musste einem liegen, weil jeder Spot auch durch eine innere Einstellung entstand. Die Idee ist nicht die Handlung. Ideen sind Stichworte, die erst durch die Inszenierung und die Animation zu Filmgeschichten werden. Die Inspiration beim Zeichnen ist deshalb für die Handlung sehr entscheidend. Jeden­falls immer dann, wenn ich von einer Idee auf Anhieb begeistert war, wenn sie bei mir gefunkt hatte, wenn ich den Ablauf der Handlung sofort "gesehen" habe, war die Inszenierung aus einem Guss und wurde der Film auch gut. Gute Ideen ergeben immer auch eine klare Geschichte

Beim Erfinden und Auswählen der Maus-Ideen waren wir frei. Wir mussten thematisch also nicht von Sachge­schichten der Sendung ausgehen oder uns an irgendwelche Themen anlehnen. Zu einer Sachgeschichte über einen Stuhl mussten wir keine Maus-Geschichte mit dem Thema Stuhl erfinden. Wenn einzelne Beiträge thematisch dann doch zusammenpassten, so wurde dies erst später beim Zusammenstellen der Sendung erreicht.

Auch hatten wir keine pädagogischen Auflagen oder Intentionen. Wir machten in erster Linie Trickfilme, und die sollten witzig und spannend sein und unterhal­ten. Wenn das gut gemacht war, enthielt es pädagogischen Effekt genug...

Deshalb schätzte ich mich immer glücklich, diese Maus-Filme für Leute machen zu können, die nicht das Wort "Pädagogik" oder nur die vielgebrauchte "Vorschule" gross auf ihre Redaktionsfahne geschrieben hatten. Es gab ja genug andere Sendereihen, in denen eine penetrante Pädagogik einem jede Lust und jedes sinnliche Vergnügen am Betrachten einer originellen Geschichte verleiden konnte. Die meisten dieser Sendungen gibt es nicht mehr.

Die "Sendung mit der Maus" ist noch fleissig im Pro­gramm und läuft nun schon in der zweiten Generation.

Jene Kinder, die 1972 guckten, sind inzwischen aus dem Mäuse-Alter herausgewachsen, und die Kinder, die sich heute über die Maus freuen, waren damals noch nicht ge­boren.

Vielleicht gehört auch das zu diesem Kapitel: Bei der Auswahl der Ideen und der Gestaltung der Filme habe ich nie den Standpunkt des Erwachsenen eingenommen, der nun Filme "für Kinder" machen musste. Ob für Kinder oder Erwachsene, das war für mich keine Frage, ich habe meine Arbeit immer mit dem gleichen Ernst und dem gleichen Spass gemacht - und alle erfreuten sich gleichermassen daran. Aber vielleicht hat das etwas mit dem bekannten "Kind im Manne" zu tun, oder damit, dass für den Zeichen­trickfilm ohnehin andere Regeln gelten. Jedenfalls hat gerade diese Einstellung die Maus-Filme immer davor bewahrt, langweilig zu wirken oder gar kindertümelnd.

 

© Friedrich Streich, „10 Jahre mit der Maus“ / März 1981

 

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